Kraus erstmals Top 100 – Maruska: „Sie hat sich das redlich verdient“
Über 15 Jahre ist es her, dass zuletzt drei Österreicherinnen unter den Top 100 der Welt gestanden waren. Seit 23. Februar 2026 ist es nun wieder soweit, denn zu Julia Grabher (WTA 79) und Anastasia Potapova (WTA 91) ist montags Sinja Kraus, als nunmehr Dritte im Bunde, dazugestoßen. Im neuesten WTA-Ranking verbesserte sich die Wienerin durch ihren letztwöchigen Viertelfinaleinzug beim WTA-125-Challenger in Oeiras (Portugal) um drei Positionen auf Platz 99 und knackte damit erstmalig die besagte Schallmauer. Eine Errungenschaft, die für die 23-Jährige mit Recht einen hohen Stellenwert einnimmt. Auf ihrer offiziellen Instagram-Fanseite postete Kraus daher auch ein Kindheitsfoto von sich auf dem Tennisplatz, versehen mit den Worten: „Dieses kleine Mädchen wäre so stolz.“
Stolz auf Österreichs Tennisdamen ist auch Marion Maruska – an diesem Tag besonders auf Kraus: „Sie hat sich wirklich kontinuierlich verbessert und sich das redlich verdient“, freute sich die ÖTV-Sportkoordinatorin und -Billie-Jean-King-Cup-Teamkapitänin mit ihr. Kraus’ Aufwärtstrend war für die Niederösterreicherin schon im Vorjahr augenscheinlich gewesen: „Sinja ist einfach immer einen Schritt weitergegangen. Im März ihr erster ITF-W50+H-Titel in Macon, danach hat sie gleich drei ITF-W75-Turniere gewonnen, darunter jene in Amstetten und Wien, um im November gar bei einem WTA-125-Challenger in Cali zu triumphieren. So richtig angefangen hat es für mich aber mit ihren Turniererfolgen in der Heimat.“ Ein weiterer Beweis für die große Bedeutung dieser Events fürs heimische Damentennis.
Hartnäckigkeit, Variation und mentale Stärke als Schlüssel
Kraus hatte bereits am 8. August 2022, mit 20 Jahren, die Top 200 erreicht. Der Sprung unter die Top 100 in einer solchen Weltsportart gestaltete sich dafür umso schwieriger, gelang nun aber dreieinhalb Jahre später durch viel Hartnäckigkeit. Und weil Kraus zwei wichtige Aspekte entscheidend verbessern konnte, zeigte sich Maruska überzeugt: „Zum einen ist Sinja in ihrem Spiel variabler geworden. An der Grundeinstellung, aggressiv auf die Bälle draufzugehen und das Spiel zügig zu gestalten, da hat sich nicht viel geändert. Aber was die Variation angeht, hat sie sich weiterentwickelt und streut jetzt etwa auch öfter mal Stoppbälle ein. Und ich denke, dass sie auch mental einen großen Sprung nach vorne gemacht hat. Insbesondere bei ihren zwei Turniersiegen in Österreich, wo sie auch zweimal gegen Lilli Tagger gewonnen hat, hat sie viel mentale Stärke demonstriert.“
Für den jüngsten Aufschwung im heimischen Damentennis stehen jedoch gleich mehrere Gesichter. „Es ist natürlich sehr erfreulich, dass wir nun drei Spielerinnen in den Top 100 haben. Es hat sich für mich persönlich schon im vergangenen Frühjahr abgezeichnet, als unsere Topspielerinnen große Sprünge vorwärts und einen wahnsinnigen Aufwärtstrend hingelegt haben. Julia und Sinja haben die Saison 2025 nach Handgelenksverletzungen von außerhalb der Top 500 bzw. Top 200 begonnen. Julia hat daraufhin im Frühling eine 21 Matches anhaltende Siegesserie gefeiert, auch Sinja hat gut gespielt und sich weiter und weiter gesteigert. Beide haben im Vorjahr beachtliche Erfolge verzeichnet und sich geradezu selbst übertroffen. Das ist jetzt der verdiente Lohn für beide.“
Stehen bald sogar 4 Österreicherinnen unter den Top 100?
Keineswegs abwegig erscheint es mittlerweile, dass man bald gar vier ÖTV-Ladies unter den Top 100 vorfinden könnte, denn als derzeitige Nummer 116 der Welt trennen Tagger aktuell nur 95 WTA-Punkte davon, sich gleichfalls erstmalig zu diesem Kreis hinzuzählen zu können. „Es ist sicher gut möglich, dass dies demnächst passieren wird“, so Maruska, „die Tendenz zeigt bei Lilli steil nach oben.“ Aber auch der Blick auf die noch entferntere Zukunft bietet Gründe zur Zuversicht. So etwa auf die amtierende U16-Europameisterin Anna Pircher (WTA 893), vor der in der Damenweltrangliste im Moment bloß drei jüngere Spielerinnen zu finden sind. „Es ist für Anna, in ihrem jungen Alter, noch ein weiter Weg, aber es ist ganz bestimmt realistisch, dass sie in ein paar Jahren in ähnlichen Sphären unterwegs sein könnte.“
Und auch neben Pircher gibt es durchaus vielversprechende Zukunftsaktien. Es bleibt im heimischen Damentennis also weiterhin spannend. „Ich freue mich auf die nächste Zeit. Das ist schön, wieder so eine Entwicklung bei uns im Land zu sehen. Auch als ehemalige Spielerin freut mich das sehr“, so Maruska. „Ich fiebere mit allen unseren Damen immer sehr mit und hoffe, dass sie unter die Top 100 kommen, damit das Damentennis wieder mehr Aufmerksamkeit bekommt – die es auch verdient.“
Alle Österreicherinnen unter den Top 100 der WTA-Einzelrankings
Barbara Schett | 7. | (13.09.1999) |
Barbara Paulus | 10. | (18.11.1996) |
Judith Wiesner | 12. | (13.01.1997) |
Sybille Bammer | 19. | (17.12.2007) |
Anastasia Potapova * | 21. | (19.06.2023) |
Tamira Paszek ** | 26. | (11.02.2013) |
Sylvia Plischke | 27. | (21.06.1999) |
Petra Huber | 37. | (01.10.1984) |
Yvonne Meusburger | 37. | (31.03.2014) |
Karin Kschwendt | 37. | (12.08.1996) |
Barbara Schwartz | 40. | (08.11.1999) |
Marion Maruska | 50. | (06.10.1997) |
Petra Schwarz | 52. | (09.01.1995) |
Julia Grabher ** | 54. | (26.06.2023) |
Beate Reinstadler | 60. | (20.06.1994) |
Patricia Wartusch | 65. | (24.04.2000) |
Sandra Dopfer | 70. | (29.08.1994) |
Patricia Mayr-Achleitner | 70. | (04.05.2009) |
Melanie Schnell | 90. | (10.06.1996) |
Sinja Kraus ** | 99. | (23.02.2026) |
* erreichte ihr Bestranking vor ihrem Nationalitätswechsel zu Österreich Ende 2025; ihr bestes Ranking als Österreicherin ist Platz 50 (29.12.2025).
** ebenfalls noch aktiv